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KROMI NEWS

KROMI veröffentlicht Geschäftsbericht 2019/20: Interview mit dem Vorstand

CEO Bernd Paulini (li.) und CFO Christian Auth

Am 30. September 2020 hat die KROMI Logistik AG ihren mit Spannung erwarteten Finanzbericht für das Geschäftsjahr 2019/2020 veröffentlicht. Im Zuge der Corona-Pandemie war der Berichtszeitraum von sehr wechselhaften Entwicklungen geprägt. So war KROMI in der ersten Geschäftsjahreshälfte trotz wirtschaftlicher Abkühlung auf Wachstumskurs. Danach reduzierten jedoch viele Kunden ihre Produktionsniveaus massiv, mit entsprechenden Auswirkungen auch für das Geschäft mit KROMI. Trotz eines in der Konsequenz geringeren Umsatzes im Gesamtgeschäftsjahr von 69,4 Mio. EUR gegenüber 74,8 Mio. EUR im Vorjahr, erzielte KROMI nicht nur ein deutlich besseres, leicht positives EBIT von 0,1 Mio. EUR. Auch der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit konnte um 9,0 Mio. EUR gesteigert werden.

-> Geschäftsbericht 2019/2020 der KROMI Logistik AG [pdf, 3,6 Mb, öffnet neuen Tab]

Sechs Fragen an CEO Bernd Paulini und CFO Christian Auth zu Trends in der Branche, Internationalisierung und Organisation sowie den Zukunftsaussichten

Bernd Paulini: Die Corona-Pandemie kam für uns absolut zur Unzeit. Wir hatten unser Geschäftsmodell erfolgreich umgebaut, sehr positive Resonanz aus dem Markt erhalten und befanden uns im ersten Halbjahr mit 4 Prozent Umsatzzuwachs gegenüber dem Vorjahr wieder auf Wachstumskurs. Die Auswirkungen, die die Corona-Pandemie ab März 2020 auf die Produktionslevel unserer Kunden und damit auf den Werkzeugverbrauch hatten, waren jedoch immens. Dank der zahlreichen 2019 initiierten Optimierungsmaßnahmen haben wir trotz der Umsatzausfälle ein leicht positives EBIT erreicht.

Christian Auth: Zusammenfassend sind wir daher vergleichsweise gut durch die Krise gekommen. Maßgeblich dazu beigetragen hat, dass wir bereits seit Beginn des Geschäftsjahres intensives Kosten- und Working Capital- Management betrieben haben. Auch uns hat die Corona-Krise im zweiten Halbjahr umsatzseitig zwar hart, aber durch die Optimierungen und Kostensenkungen eben nicht unvorbereitet getroffen. Daher war es möglich, im zweiten Halbjahr beim EBIT deutlich besser abzuschneiden und letztlich das bereits erwähnte positive Ergebnis zu erzielen. Liquiditätsseitig konnten wir eine deutliche Verbesserung erzielen und den Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit um 9 Mio. EUR steigern. Darüber hinaus haben wir ab März natürlich zahlreiche Maßnahmen zum Schutz unserer Mitarbeiter getroffen. Dank effektiver Abstands- und Hygieneregeln sowie der Möglichkeit des mobilen Arbeitens waren wir zu jeder Zeit für unsere Kunden einsatzbereit.

Paulini: Diese Verlässlichkeit ist für unsere Kunden enorm wichtig, denn wir sehen trotz der Corona-Pandemie ein ungebrochenes Interesse an unseren Services. Unsere Erfahrung ist, dass sich Unternehmen gerade in  der  Krise vermehrt mit Outsourcing-Lösungen beschäftigen, um Kosteneinsparungen realisieren zu können. Das hat auch die Finanzkrise  2008/2009  gezeigt.   Entsprechend   führen  wir aktuell deutlich mehr Gespräche mit potenziellen Neukunden als in den Monaten zuvor. Bei einigen sehr interessanten Projekten sind wir auch bereits in den Endverhandlungen. Wir sehen also eine deutliche Belebung an der Neukundenfront.

Paulini: Nachhaltigkeit ist ein großes Thema für uns und unsere Kunden. Wir ermöglichen mit unseren Dienstleistungen einen effizienteren Einsatz der Ressourcen und machen damit die Geschäftsmodelle nachhaltiger. Das ist unter Umweltaspekten gut und wirkt sich bei den Unternehmen auch finanziell positiv aus. Im Durchschnitt können unsere Kunden durch KROMI die Werkzeugkosten um 15 Prozent reduzieren. Das ist enorm! Daher ist die Optimierung des Werkzeugeinsatzes gerade auch in der Krise für Unternehmen hochinteressant. Es geht aber nicht nur um die richtige Auswahl des Werkzeugs. Wir integrieren beispielsweise auch professionelle Nachschliffprozesse bei unseren Kunden. Die allerwenigsten Unternehmen nutzen dieses Potenzial effektiv. Wir bei KROMI definieren ganz klar, welche Werkzeuge nachschleifbar sind und übernehmen auch den gesamten weiteren Prozess. Dabei arbeiten wir mit lokal ansässigen Nachschliffbetrieben  zusammen, die sich als KROMI-Partner qualifiziert haben.

Auth: Im vergangenen Geschäftsjahr haben wir fast 159.000 nachgeschliffene Werkzeuge an unsere Kunden ausgeliefert und konnten damit einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten. Nachhaltigkeit endet aber nicht bei den Umweltbelangen. Als börsennotierte Gesellschaft im Regulierten Markt haben wir strikte Systeme etabliert, um den hohen Transparenz- und Compliance-Anforderungen gerecht zu werden. Und natürlich befassen wir uns mit Themen der Mitarbeiterentwicklung und -bindung. Diese Themen werden unseren nachhaltigen Erfolg absichern.

Paulini: Ganz klar, dieses Thema bewegt aus besagten Gründen alle produzierenden Unternehmen, egal in welcher Branche oder welchem Land. Deshalb sind wir bereits heute in 13 Ländern aktiv. Das ist im Übrigen auch eine Erfahrung, die wir immer wieder in den Gesprächen mit unseren Bestandskunden machen. Bei den größeren Unternehmen ist die Versorgung eines Standorts oftmals nur der Startschuss für einen schrittweisen Roll-out in weitere Länder. Ganz aktuelles Beispiel ist etwa einer unserer Großkunden aus Süddeutschland. Nachdem wir 2019 die Versorgung des Stammwerks aufgenommen hatten, sind wir nun in der Planung für das Werk in Tschechien. Wir führen momentan viele Gespräche mit unseren Kunden, die sehr vielversprechend sind. Daher ist für uns trotz der Corona-Krise die Expansion unserer Geschäftsaktivitäten ein hochaktuelles Thema.

Paulini: KROMI ist bereits seit vielen Jahren in internationalen Märkten unterwegs. Daher ist das Thema grundsätzlich nicht neu für uns. Unsere Aktivitäten beschränken sich dabei nicht nur auf die EU. Seit über zehn Jahren sind wir auch in Brasilien aktiv – mittlerweile an drei Standorten. In dieser Zeit sind wir auch enorm schnell gewachsen – von rund 30 Mio. EUR Umsatz auf zwischenzeitlich über 80 Mio. EUR im Geschäftsjahr 2017/2018. Wir haben Strukturen geschaffen, die auf weiteres Wachstum ausgelegt sind. So haben wir verschiedene Aufgabenbereiche innerhalb des Konzerns zentralisiert und gestrafft und wo notwendig eben auch eine zusätzliche Ebene etabliert.

Auth: Beispielsweise haben wir eine klare Regionalverantwortung eingerichtet, die allerdings keinen Personalaufbau erforderlich gemacht hat. Die deutschen und ausländischen Standorte berichten nun nicht mehr direkt an den Vorstand. Neben der Region Deutschland mit einem Gesamtverantwortlichen sind u.a. die Region Central Europe für die Märkte Polen, Tschechien und Slowakei und die Region Iberia für Spanien und Portugal eingerichtet worden. In der neuen Struktur können wir nun viel effizienter steuern und sind zukunftsfähig für weiteres Wachstum aufgestellt.

Paulini: Zudem haben wir 2020 auf Konzernebene den Zentralbereich „Operations“ geschaffen, der die bisherigen regional verteilten Verantwortlichkeiten bündelt. Dies war aufgrund der Größe von KROMI notwendig, aber auch um Synergieeffekte heben zu können. Im Bereich Operations laufen die operative Planung und Beschaffung des Werkzeugbedarfs sowie die Kundenbetreuung zusammen. Hierfür haben wir einen erfahrenen Manager für KROMI gewonnen, der diesen Bereich verantwortet.

Auth: Unser Geschäftsmodell haben wir in den vergangenen Jahren konsequent weiterentwickelt, die Strukturen neu ausgerichtet, haben Expansionspläne und eine sehr gute Mischung aus etablierten, erfahrenen Mitarbeitern und neuen Kollegen, die frischen Wind mitbringen. Damit ist KROMI für weiteres internationales Wachstum gerüstet.

Paulini: Unsere Kunden wissen dank unseren leistungsfähigen Softwarelösungen immer genau, was bei ihnen vor Ort passiert. Per eControl etwa hat man immer seinen Werkzeugverbrauch im Blick oder über den digitalen Werkzeugkatalog KWM stets Zugriff auf alle Werkzeugdaten. Unsere Softwarelösungen haben wir in die zentrale KROMI Datenbank eCloud eingebunden, abrufbar über den Webservices und auch per App. Durch die datentechnische Anbindung der KROMI-Versorgungssysteme, über die alle Werkzeugbestände und -entnahmen lückenlos und in Echtzeit dokumentiert werden, ist eine transparente Verbrauchsanalyse möglich. Mit Hilfe des KROMI eControl KCo lassen sich die tatsächlichen Verbräuche den gewünschten Kostenstellen zuordnen. Im Abgleich mit den realen Produktionsmengen der Maschinen lassen sich mit diesen Daten die tatsächlichen Werkzeugkosten pro Bauteil zuverlässig ermitteln und den Planwerten gegenüberstellen. Unsere Kunden sind damit bereit für die Industrie 4.0.

Paulini: Wir haben im abgelaufenen Geschäftsjahr sehr zielstrebig und konsequent an der Weiterentwicklung und Umsetzung des neuen Geschäftsmodells gearbeitet. Für die jeweiligen Module TOOLS, LOGISTICS, TECHNOLOGY und DATA haben wir die Servicelevel detailliert erstellt und den resultierenden Kundennutzen definiert. Wir sind nun in der Lage, unseren Kunden ein transparentes und auf ihre Belange bezogenes Angebot des Core Packages unserer Tool-Management-Dienstleistung zu erstellen. Der Kunde hat weiterhin die Möglichkeit, über das Core Package hinaus Serviceleistungen in den einzelnen Modulen auszuwählen, die wir im Angebot berücksichtigen. Im vierten Quartal des vergangenen Geschäftsjahres haben wir bei Neukundenprojekten diese Vorgehensweise in der Angebotserstellung getestet und positive Resonanz erfahren. Wir sind sicher, durch diese transparente Darstellung unserer Services unser Geschäftsmodell zukunftsträchtig und erfolgreich vermarkten zu können.